Preiskarusell

Ja, wir leben in Absurdistan! Schickt mich die Liebste in den Supermarkt, um Reis zu kaufen. Gegenüber des Regals für Reis und Nudeln stehen die Spirituosen. und jetzt kommt's!
Wurde im Rahmen der Teuerung auch der "harte" Alkohol teurer - innerhalb von drei Jahren von 4,99 auf 6,99 für eine Flasche Kaliskaya Wodka - so wird der jetzt wieder günstiger - und zwar um 50 Cent, also 6,49 per Flasche.
Obst, Gemüse und anderes ist bald nicht mehr leistbar, aber Hauptsache, der Schnaps wird billiger.
Eigentlich schon fast Satire. Geht auch nur in Österreich, oder?
Günstiges Alkohol-Konsumland
Aber eigentlich sollten sich jene Mitmenschen, die ab und zu und gemäßigt einen trinken wollen, nicht beschweren. Im EU-Vergleich aller 27 EU-Staaten sind alkoholische Getränke im Durchschnitt elf Prozent billiger als anderswo. Das berichten zahlreiche Tagesmedien wie etwa Der Standard, die Kleine Zeitung , der ORF und die bunte Gratis-Postille Heute.
Billiger als in Österreich gibt es
Bier, Wein und Schnaps nur in Italien und Deutschland. Das "teuerste
Pflaster" für den Trinker von heute ist tarditionsgemäß Finnland
mit 110 Prozent über dem Durchschnitt.
Traditionell ist Alkohol in den
nordischen und skandinavischen Ländern wesentlich teurer als in
Österreich. Ich erinnere mich noch an mein Interrail Abenteuer nach
Schweden und Dänemark im Jahr 1990. Damals zahlte man in einem
Musikcafé am "Gamla Stan" (Alter Platz) in Stockholm 80
österreichische Schilling für ein Achterl Rotwein (ca. 5,82 Euro).
Was das im Vergleich heute kosten würde, möchte ich ehrlich gesagt
gar nicht wissen. Dafür spielte die Band "Papa was a rolling
stone". Auch im Supermarkt war Bier damals schon wesentlich teurer
als bei uns. Eine Dose Faxe light in Kopenhagen kostete damals schon
umgerechnet 25 österreichische Schilling, also knapp 2 Euro.
Damals!! Heute bekommt man bei einem österreichischen Diskonter um
zwei Euro vier Dosen Noname Bier (exklusive Pfand, aber den gab es ja
damals auch noch nicht).
Man bekommt beispielsweise im
Supermarkt, dem mit dem gelb/roten Logo, in einer "2+1 Aktion"
auch eine Flasche argentinische Rotwein (was weiß ich, welche Sorte)
um 1,29 Euro. Abgesehen davon, dass man diesen Wein nicht mal zum
Kartoffelgießen verwenden kann (heisst: untrinkbar), so frage ich
mich rein wirtschaftlich betrachtet, wer daran noch was verdienen
kann. Ich habe mir das mit den Verwandten, die die Weingärten meines
Großvaters übernommen haben, einmal durchgerechnet. Da kann sich wo
was nicht ausgehen. Verdienen tun vermutlich nur der Supermarkt und
der Herr Finanzminister. Zum Vergleich: Eine gute Flasche Rotwein ist
bei einem der zahlreichen Weinbauern in und um meine Heimatstadt
nicht unter sechs oder sieben Euro zu haben.
Dazu noch ein Gedanke: Warum sind in
gastronomischen Einrichtungen wie Gasthäuser oder Cafés
antialkoholische Getränke teurer als alkoholische. Warum sind in
Bars antialkoholische Cocktails teurer als alkoholhältige. Wenn wir
nach den Steuern gehen, dürfte das nicht sein. Es gibt eine Bier-,
Wein- und Schaumweinsteuer, eine Alkoholsteuer auf Spirituosen. Von
einer Almdudler- oder Pago-Steuer hätte ich noch nie gehört.
Im Sinne von Prävention, vor allem im
Bereich des Jugendschutzes, wäre es sinnvoll, eine Preisnovellierung
vorzunehmen. Entweder die Steuern auf alkoholische Getränke rauf (da
würde sich der Minister Marterbauer freuen, oder bei den Preisen von
antialkoholischen Getränken nach unten drehen.
Foto: Bernd Klaus Achter