Über die Liebe zum Beagle Emil

Seit der Rückkehr aus der Anstalt habe
ich mich im Sinne einer neuen, veränderten Tagesstruktur, die meines
Erachtens unbedingt notwendig ist, um dauerhaft trocken zu bleiben,
zur Aufgabe gemacht, besser, intensiver um meinen Beagle Emil zu
bemühen. Er ist ja doch schon ein älterer Hundeherr, und, man weiß
nicht, wie viel Zeit man noch miteinander hat.
Da ich ja durch meinen Aufenthalt in
der Anstalt zum Frühaufsteher wurde, bin ich an manchen Tagen schon
zu Zeiten mit dem Hund unterwegs, wo andere noch schlafen oder
zumindest schon beim Frühstück sitzen.
Oft ist es noch dunkel, vor allem im
beginnenden Frühjahr, im ausgehenden herbst und im Winter. Oftmals
kalt und windig; Nieselregen, Schneetreiben. Völlig egal. Der Hund
muss raus. Und, wenn wir - zwei mal täglich - spazieren gehen, bin
ich mit Gacki-Sackerl und Leckerli bewaffnet.
Ich bin der Ansicht, das bin ich ihm
schuldig, nachdem ich ihn durch meine Alkoholsucht vielfach
vernachlässigt habe - ihm ein Hunde-gerechtes Leben zu geben.
Frühmorgens riecht die Luft draussen
noch frisch und unverbraucht. Zudem ist zu dieser nachtschlafender
Zeit niemand unterwegs; nicht mal noch die Schüler*innen.
Hunde sind einzigartige Lebewesen. Sie
urteilen nicht. Sie bewerten nicht. Sie sind einfach da. Immer. Treu.
Und ohne wenn und aber; Hunde stellen keine Bedingungen. Sie erkennen
viel mehr an einem Menschen, als wir eigentlich vermuten würden. Sie
erkennen Trauer, Wut, Unsicherheit, Unwohlsein; und, sie haben immer
ein Rezept dagegen. Auf die eine oder andere Art und Weise versuchen
sie immer, einen aufzumuntern, sei es durch Aufforderung zum Speil
oder durch Kuscheln.
Beagle Emil kam zu mir, als er zehn
Wochen alt war. Ich war damals in einer - zumindest noch auf dem
Papier - aufrechten Ehe. Sie meinte, und das öfters: "Wenn ich
noch einen Beagle finde, dann nehme ich mir einen." Zu diesem
Zeitpunkt hatten wir bereits zwei Hunde. Eine
Jagdhund-Mischlingshündin namens Luna und einen Beagle namens
Mickey. Ich recherchierte im Internet und fand: Emil. Er stammte aus
einem Wurf am Institut für Futtermitteltests der
Veterinärmedizinischen Universität Wien. Also, nichts wie hin,
Hunderl schauen. Ich sagte der dort verantwortlichen Dame, wir würden
noch bis zum folgenden Tag überlegen, aber bereits am selben
Nachmittag gab ich die Zusage, ihn zu nehmen. Ich wusste sofort, dass
er mein Seelenhund werden würde. Eine der besten Entscheidungen
meines Lebens. Und so lebten wir viele jahre alleine – sozusagen
ein Männerhaushalt, bis vor zwei Jahren meine Liebste in mein und
unser Leben trat.
Dazwischen lagen viele Abenteuer wie
etwa zwei Jahre Hundeschule - und das zwei mal pro Woche -
Begleithundeprüfungen, lange, ausgedehnte Wanderungen,
Tierarztbesuche zuerst zur Kastration, zum Krallen schneiden, zur
Zahnsteinentfernung, und als er älter wurde zum Zähne reißen.
Er war mir nie böse, als ich trank. Er
war manchmal unsicher, weil er mit meinen fahrigen, nahezu
spastischen Bewegungen nichts anfangen konnte. Und, er war immer da.
Indirekt und ohne es zu wissen, hat er mir sicher auch mit das Leben
gerettet, als ich in voller Verzweiflung und naheliegender geistiger
und körperlicher Verwahrlosung nachmittags die zweite Flasche Wodka
öffnete.
Heute, nachdem ich das Trinken
aufgegeben habe und mich als "trockenen Alkoholiker" bezeichnen
kann, sind wir enger denn je miteinander verbunden. Ich denke, nichts
kann uns trennen. Außer der Tod. Morgens und abends geht's über
die Wiesen und Felder oder durch die Stadt, seine Zeiten für
Fütterung und Medikamentenvergabe halte ich strikt ein und in der
verbleibenden Zeit kuscheln oder spielen wir in der Wohnung oder im
Garten.
Er darf zu mir auf die Couch, wenn ich
abends müde in den Fernseher starre, er darf ins Bett. Ein Hund tut
das nicht, weil es da so gemütlich wäre. Das hätte er in seinem
Körberl auch; mit einer flauschigen Unterlage, zwei kuscheligen
Decken, einem Polster und einer Stoffeule, die ich ihm einst im
Rahmen eines Supermarkt-Treueprogramms besorgt hatte. Der Beagle Emil
liegt nicht aus reiner Bequemlichkeit bei mir auf der Couch oder im
Bett - ja, er darf das - es bedeutet für ihn Sicherheit; ganz nah
beim Herrl zu sein, da weiß er, da kann ihm nichts passieren.
Wir leben ein schönes Leben
miteinander, und das hoffentlich noch lange. Und trotzdem die Angst
und Sorge, eines Tages aufzuwachen, nur, um festzustellen, dass er
nie wieder aufwachen wird.
Foto: Bernd Klaus Achter
Hashtag (Insta, Facebook): #BeagleEmil