Über die Liebe zum Beagle Emil

08.10.2025

Seit der Rückkehr aus der Anstalt habe ich mich im Sinne einer neuen, veränderten Tagesstruktur, die meines Erachtens unbedingt notwendig ist, um dauerhaft trocken zu bleiben, zur Aufgabe gemacht, besser, intensiver um meinen Beagle Emil zu bemühen. Er ist ja doch schon ein älterer Hundeherr, und, man weiß nicht, wie viel Zeit man noch miteinander hat.
Da ich ja durch meinen Aufenthalt in der Anstalt zum Frühaufsteher wurde, bin ich an manchen Tagen schon zu Zeiten mit dem Hund unterwegs, wo andere noch schlafen oder zumindest schon beim Frühstück sitzen.
Oft ist es noch dunkel, vor allem im beginnenden Frühjahr, im ausgehenden herbst und im Winter. Oftmals kalt und windig; Nieselregen, Schneetreiben. Völlig egal. Der Hund muss raus. Und, wenn wir - zwei mal täglich - spazieren gehen, bin ich mit Gacki-Sackerl und Leckerli bewaffnet.
Ich bin der Ansicht, das bin ich ihm schuldig, nachdem ich ihn durch meine Alkoholsucht vielfach vernachlässigt habe - ihm ein Hunde-gerechtes Leben zu geben.
Frühmorgens riecht die Luft draussen noch frisch und unverbraucht. Zudem ist zu dieser nachtschlafender Zeit niemand unterwegs; nicht mal noch die Schüler*innen.

Hunde sind einzigartige Lebewesen. Sie urteilen nicht. Sie bewerten nicht. Sie sind einfach da. Immer. Treu. Und ohne wenn und aber; Hunde stellen keine Bedingungen. Sie erkennen viel mehr an einem Menschen, als wir eigentlich vermuten würden. Sie erkennen Trauer, Wut, Unsicherheit, Unwohlsein; und, sie haben immer ein Rezept dagegen. Auf die eine oder andere Art und Weise versuchen sie immer, einen aufzumuntern, sei es durch Aufforderung zum Speil oder durch Kuscheln.

Beagle Emil kam zu mir, als er zehn Wochen alt war. Ich war damals in einer - zumindest noch auf dem Papier - aufrechten Ehe. Sie meinte, und das öfters: "Wenn ich noch einen Beagle finde, dann nehme ich mir einen." Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits zwei Hunde. Eine Jagdhund-Mischlingshündin namens Luna und einen Beagle namens Mickey. Ich recherchierte im Internet und fand: Emil. Er stammte aus einem Wurf am Institut für Futtermitteltests der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Also, nichts wie hin, Hunderl schauen. Ich sagte der dort verantwortlichen Dame, wir würden noch bis zum folgenden Tag überlegen, aber bereits am selben Nachmittag gab ich die Zusage, ihn zu nehmen. Ich wusste sofort, dass er mein Seelenhund werden würde. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Und so lebten wir viele jahre alleine – sozusagen ein Männerhaushalt, bis vor zwei Jahren meine Liebste in mein und unser Leben trat.
Dazwischen lagen viele Abenteuer wie etwa zwei Jahre Hundeschule - und das zwei mal pro Woche - Begleithundeprüfungen, lange, ausgedehnte Wanderungen, Tierarztbesuche zuerst zur Kastration, zum Krallen schneiden, zur Zahnsteinentfernung, und als er älter wurde zum Zähne reißen.
Er war mir nie böse, als ich trank. Er war manchmal unsicher, weil er mit meinen fahrigen, nahezu spastischen Bewegungen nichts anfangen konnte. Und, er war immer da. Indirekt und ohne es zu wissen, hat er mir sicher auch mit das Leben gerettet, als ich in voller Verzweiflung und naheliegender geistiger und körperlicher Verwahrlosung nachmittags die zweite Flasche Wodka öffnete.

Heute, nachdem ich das Trinken aufgegeben habe und mich als "trockenen Alkoholiker" bezeichnen kann, sind wir enger denn je miteinander verbunden. Ich denke, nichts kann uns trennen. Außer der Tod. Morgens und abends geht's über die Wiesen und Felder oder durch die Stadt, seine Zeiten für Fütterung und Medikamentenvergabe halte ich strikt ein und in der verbleibenden Zeit kuscheln oder spielen wir in der Wohnung oder im Garten.
Er darf zu mir auf die Couch, wenn ich abends müde in den Fernseher starre, er darf ins Bett. Ein Hund tut das nicht, weil es da so gemütlich wäre. Das hätte er in seinem Körberl auch; mit einer flauschigen Unterlage, zwei kuscheligen Decken, einem Polster und einer Stoffeule, die ich ihm einst im Rahmen eines Supermarkt-Treueprogramms besorgt hatte. Der Beagle Emil liegt nicht aus reiner Bequemlichkeit bei mir auf der Couch oder im Bett - ja, er darf das - es bedeutet für ihn Sicherheit; ganz nah beim Herrl zu sein, da weiß er, da kann ihm nichts passieren.
Wir leben ein schönes Leben miteinander, und das hoffentlich noch lange. Und trotzdem die Angst und Sorge, eines Tages aufzuwachen, nur, um festzustellen, dass er nie wieder aufwachen wird.

Foto: Bernd Klaus Achter
Hashtag (Insta, Facebook): #BeagleEmil


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