Faschingsdienstag. Lei Lei, Helau und Alaaf

16.02.2026

Jetzt steht der Faschingsdienstag unmittelbar vor der Tür. Und, was soll ich sagen: Es geht mir am Arsch vorbei. Wie so alle Festivitäten, di einen zum zwanghaft Lustig-Sein verdonnern. Wie auch Silvester.
Verkleiden mag ich mich ohnehin nicht. Das war und ist mit immer schon zuwider. Wie auch Motto-Partys wie etwa Fête Blanc oder Fête Rouge oder Fête Noir. Ja, gerne, aber ohne mich.
Viele Jahre lang hatte ich an solchen Tagen ab frühmorgens "vorgeglüht". Bei Öffnung des Supermarktes um sieben Uhr fünfzehn kaufte ich die erste Flasche Wodka. Bei Eröffnung der Feierlichkeiten an einem Faschingsdienstag war ich bereits im Zustand eines heftigen "Damenspitzerls". Zu Beginn von Silvesterfeierlichkeiten am späten Nachmittag oder frühen Abend war ich meist schon richtig betrunken - obwohl: ich konnte es zu dieser Zeit noch ganz gut verstecken bzw. kaschieren - und öffnete bereits die zweite Flasche Wodka. Inzwischen - seit meinem Aufenthalt in der Anstalt - hat sich das natürlich verändert - aus Gründen.
Auch am Faschingsdienstag werde ich wie jeden Morgen mit meinem Hund spazieren gehen, ihm sein Frühstück zubereiten, meinen Morgen-Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen.
Am mittleren Vormittag werde ich mir den Faschingsumzug der Schüler*innen aller schulischen Einrichtungen meiner Heimatstadt ansehen. Nach Ende des Umzugs wird die Faschingsfahne gehisst, die nur an dieem Tag hängt. Am Aschermittwoch muss die Fahne wieder runter. Da beginnt die Fastenzeit und da verstehen die Katholiken keinen Spaß (mehr). Und solange die Fahne noch nicht gehisst ist, haben auch die Stände, die Snacks und Getränke verkaufen - vorzugsweise Alkohol; wegen der Stimmung warads - noch nicht geöffnet. Also kann ich ja gar nicht in Versuchung kommen.
Nach geht's wieder nach Hause; den Hund füttern und bespaßen. Abends werde ich nochmal den Hauptplatz aufsuchen - zum "Fasching verbrennen". Ein stilisiertes "Manderl" (Männerfigur) wird unter kontrollierten Bedingungen unter den wachsamen Augen von Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr mit Benzin übergossen und abgefackelt. Da schaue ich zu, bis der Faschingsmann bis aufs Gerippe abgebrannt ist und gehe nach Hause. Das Portemonnaie lasse ich ohnehin auf dem Küchentisch zurück, um erst gar nicht in Versuchung zu kommen, Alkohol zu trinken.

Die Festl-Vermeidung

Ich meide ohnehin irgendwelche Festivitäten; rein aus Selbstschutz. Und, wenn ich Veranstaltungen besuche, dann meist mit einer Vertrauensperson, die mein "Problem" kennt - Aufpasser*in aus/zum Selbstschutz. Ich lege für mich selbst nicht die Hand ins Feuer, dass ich etwa bei einer Ausstellungseröffnung, einem Firmenfest, einer Theaterpremiere oder einer Autorenlesung nicht doch den gratis feilgebotenen Alkohol konsumieren würde. Und, bei einem trockenen Alkoholiker reicht ein Achterl Grüner Veltliner - und schon ist der Schalter umgelegt und es gibt möglicherweise kein Halten mehr. Das hat übrigens nichts mit Willensstärke oder -schwäche zu tun sondern mit einer/der chemischen Reaktion im Gehirn und der Funktion des Suchtgedächtnisses, das bekanntlich nie vergisst.
Und es hat auch nichts damit zu tun, dass ich etwa Menschen nicht mögen würde. Ganz im Gegenteil. Ich mag Menschen und ich mag es, in Gesellschaft zu sein. Aber, wie erwähnt. Ich muss mich selbst schützen, denn sonst wäre der Aufenthalt in der Anstalt völlig "für die Fisch'" gewesen.

Trotzdem: Schönen und spaßigen Faschingsdienstag. Genießt die Krapfen und den Prosecco. In diesem Sinne: Lei Lei, Helau und Alaaf.

Illustration: Bernd Klaus Achter

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