Faschingsdienstag. Lei Lei, Helau und Alaaf

Jetzt steht der Faschingsdienstag
unmittelbar vor der Tür. Und, was soll ich sagen: Es geht mir am
Arsch vorbei. Wie so alle Festivitäten, di einen zum zwanghaft
Lustig-Sein verdonnern. Wie auch Silvester.
Verkleiden mag ich mich ohnehin nicht.
Das war und ist mit immer schon zuwider. Wie auch Motto-Partys wie
etwa Fête
Blanc oder Fête
Rouge oder Fête
Noir. Ja, gerne, aber ohne mich.
Viele Jahre lang hatte ich an solchen
Tagen ab frühmorgens "vorgeglüht". Bei Öffnung des
Supermarktes um sieben Uhr fünfzehn kaufte ich die erste Flasche
Wodka. Bei Eröffnung der Feierlichkeiten an einem Faschingsdienstag
war ich bereits im Zustand eines heftigen "Damenspitzerls". Zu
Beginn von Silvesterfeierlichkeiten am späten Nachmittag oder frühen
Abend war ich meist schon richtig betrunken - obwohl: ich konnte es
zu dieser Zeit noch ganz gut verstecken bzw. kaschieren - und öffnete
bereits die zweite Flasche Wodka. Inzwischen - seit meinem Aufenthalt
in der Anstalt - hat sich das natürlich verändert - aus Gründen.
Auch am Faschingsdienstag werde ich wie
jeden Morgen mit meinem Hund spazieren gehen, ihm sein Frühstück
zubereiten, meinen Morgen-Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen.
Am mittleren Vormittag werde ich mir
den Faschingsumzug der Schüler*innen aller schulischen Einrichtungen
meiner Heimatstadt ansehen. Nach Ende des Umzugs wird die
Faschingsfahne gehisst, die nur an dieem Tag hängt. Am
Aschermittwoch muss die Fahne wieder runter. Da beginnt die
Fastenzeit und da verstehen die Katholiken keinen Spaß (mehr). Und
solange die Fahne noch nicht gehisst ist, haben auch die Stände, die
Snacks und Getränke verkaufen - vorzugsweise Alkohol; wegen der
Stimmung warads - noch nicht geöffnet. Also kann ich ja gar nicht in
Versuchung kommen.
Nach geht's wieder nach Hause; den
Hund füttern und bespaßen. Abends werde ich nochmal den Hauptplatz
aufsuchen - zum "Fasching verbrennen". Ein stilisiertes "Manderl"
(Männerfigur) wird unter kontrollierten Bedingungen unter den
wachsamen Augen von Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr mit Benzin
übergossen und abgefackelt. Da schaue ich zu, bis der Faschingsmann
bis aufs Gerippe abgebrannt ist und gehe nach Hause. Das Portemonnaie
lasse ich ohnehin auf dem Küchentisch zurück, um erst gar nicht in
Versuchung zu kommen, Alkohol zu trinken.
Die Festl-Vermeidung
Ich meide ohnehin irgendwelche
Festivitäten; rein aus Selbstschutz. Und, wenn ich Veranstaltungen
besuche, dann meist mit einer Vertrauensperson, die mein "Problem"
kennt - Aufpasser*in aus/zum Selbstschutz. Ich lege für mich selbst
nicht die Hand ins Feuer, dass ich etwa bei einer
Ausstellungseröffnung, einem Firmenfest, einer Theaterpremiere oder
einer Autorenlesung nicht doch den gratis feilgebotenen Alkohol
konsumieren würde. Und, bei einem trockenen Alkoholiker reicht ein
Achterl Grüner Veltliner - und schon ist der Schalter umgelegt und
es gibt möglicherweise kein Halten mehr. Das hat übrigens nichts
mit Willensstärke oder -schwäche zu tun sondern mit einer/der
chemischen Reaktion im Gehirn und der Funktion des
Suchtgedächtnisses, das bekanntlich nie vergisst.
Und es hat auch nichts damit zu tun,
dass ich etwa Menschen nicht mögen würde. Ganz im Gegenteil. Ich
mag Menschen und ich mag es, in Gesellschaft zu sein. Aber, wie
erwähnt. Ich muss mich selbst schützen, denn sonst wäre der
Aufenthalt in der Anstalt völlig "für die Fisch'" gewesen.
Trotzdem: Schönen und spaßigen
Faschingsdienstag. Genießt die Krapfen und den Prosecco. In diesem
Sinne: Lei Lei, Helau und Alaaf.
Illustration: Bernd Klaus Achter