Einsam und/oder alleine

Das mit dem Alleine-Sein ist so eine
Sache. Schnell wird man als einsam abgestempelt. Völlig falsch. Wir
haben es hier mit zwei unterschiedlichen Gegebenheiten zu tun, die
unterschiedlichen Parametern folgen. Nun, die Unterscheidung fällt
manchmal schwer, oder sie verläuft an eienm schmalen Grat.
Ich bin gerne alleine. Um ganz bei mir
zu sein, zu Lesen, Musik z hören, doofe Cartoons mit dem
Kugelschreiber auf liniertes Papier zu kritzeln, mit dem Hund durch
die Straßen, über Hügel, Wiesen und Felder zu streifen oder, um zu
schreiben.
Jedenfalls Dinge zu tun, die ich in
Zweisamkeit nicht tun möchte, um die spärlich vorhandene und zu
schnell dahinziehende gemeinsame Zeit nicht mit einen
Alleine-Banalitäten zu verschwenden. Obwohl, sind es tatsächlich
Banalitäten?
Ich denke nicht, Es sind Tätigkeiten,
die ich brauche, um mein Hirn zu reinigen von all dem Alltagsschrott.
Tätigkeiten, wie sie jeder braucht, es aber nur die wenigsten
zugeben, dass sie sie brauchen. Ich stelle mir das Alleine-sein so
vor: Man sitzt in einem Raum voller Möglichkeiten wie Bücher, Musik
mit Stereoanlage (ich weiß, das ist oldschool), vielleicht ein
Fernsehgerät und der Hund, ein Notizblock mit Schreibgerät. Ich
habe Wahlmöglichkeit, da es mich nicht lähmt. Ich kann jederzeit
rausgehen, mit dem Hund über Wiesen und Felder, in den Wald oder
durch die Stadt. Ich kann jederzeit rausgehen unter Menschen, ins
Kaffeehaus, auf den Markt, eine Veranstaltung.
Die Sache mit der Einsakmkeit
Auch mit der Einsamkeit ist es es so
eine Sache. Ich sei wie ein einsamer Wolf, der durch die Straßen
streunt, meine eine meiner Psychotherapeutinnen. Leise und suchend,
wie Ronco der Geächtete oder Clint Eastwood "Fragt nicht, schießt
gut" in der Weite etwa des Wilden Westens. Dabei war ich eigentlich
nur Zigaretten und Wodka kaufen, und das auch nicht im Wilden Westen,
sonder in der Hauptstraße meiner Heimatstadt. Die Einsamkeit ist wie
eine leere Zelle, etwa eine Gummizelle, in der du dann nichts hast
außer Wodka und Zigaretten. Völlig isoliert.
Alkoholiker sind in der Tat einsam oder
auf dem besten Weg in die Einsamkeit. Im Gegensatz zum Alleine-Sein
habe ich die Einsamkeit niucht genossen, ich habe sie mit Alkohol
betä#ubt. Und auch da wieder die berühmte Henne-Ei-Frage: Trinkt
man, weil man einsam ist? Oder wird man einsam, da man Trinker ist?
Einsamkeit kann zu verstärktem Alkoholkonsum führen. Denn die
Botenstoffausschüttung, die in wohl gediegener Gesellschaft im
Gehirn passiert, versucht man durch Alkoholkonsum zu kompensieren.
Diese Henne-Ei-Frage taucht oftmals im
Zusammenhang mit erhöhtem oder massivem Alkoholkonsum auf. Wie auch
bei der Thematik Einsamkeit, kann diese Fragen auch in Zusammen hang
mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen stellen.
Alkohol ist ja schließlich auch eine psychoaktive Droge.Trinkt man,
weil man depressiv ist? Oder wird man depressiv vom Trinken?
Jedenfalls besteht ein Zusammenhang von
Einsamkeit, Isolation und Depression; weiter führend besteht ein
Zusammenhang von Alkohol, Depression und Selbstmord. Die Isolation
mit einhergehendem Alkoholmissbrauch betrifft vorwiegend ältere
alleinstehende Menschen; junge Menschen hingegen bevorzugen das
Trinken in Gesellschaft.
Bereits im Jahr 2010 berichtete die
Tageszeitung "Der Standard" anlässlich des
Welt-Suizid-Präventionstages über den Zusammenhang von Leben
im Einzelhaushalt, Einsamkeit und eventuell Arbeitslosigkeit;
betroffen wären sowohl ältere als auch jüngere Menschen. 2019
berichtet das SFR - Schweizer Radio und Fernsehen darüber,
dass Jugendliche trotz der vielfachen Vernetzung auf sozialen Medien
an Suizid denken.
Einsamkeit kann also tatsächlich
töten. Ob es nun tatsächlich suizidale Fälle oder solche mit
vermeintlicher natürlicher Todesursache, ist nicht verifiziert und
erfasst. Die Weltgesundheitsorganisation geht in einem Überblick zu
Ausmaß und Folgen der Vereinsamung (in) unserer Gesellschaft von
rund 880.000 Todesfällen in Westeuropa aus. In Österreich fühlen
sich rund 600.000 Personen einsam, wie eine Studie der Caritas in
Zusammenarbeit mit Foresight ergab. Begründet wird dies mit mangelnden Sozialkontakten aufgrund
er allgemeinen Teuerung, die eben das Ausgehen erschweren, oder
gesundheitlichen Aspekten und darauf folgender Isolierung; oder auch
mit Suchtverhalten, das den Sozialkontakt zumindest hemmt, wenn nicht
verhindert.
Und soziale Medien schaffen der
Einsamkeit keine Abhilfe, sie isolieren die Betroffenen noch mehr von
der Realität. Gerade die sozialen Medien fördern, anders als man
meinen sollte, die Vereinsamung des Individuums. Man hat zwar
Follower und Friends sowie Visits, Kommentare und Likes, kommuniziert
aber völlig isoliert, unpersönlich und von der Realität
abgeschottet etwa vom Küchentisch aus. Frage: Welcher Facebook- oder
LinkedIn- oder Instagram-User kennt alle "Friends" oder "Follower"
tatsächlich persönlich?Ich lass das mal so stehen.
Nicht umsonst jedoch gibt es in
Österreich zahlreiche Initiativen gegen Einsamkeit wie etwa die
Nationale Anlaufstelle & Kompetenznetzwerk gegen Einsamkeit, die Plattform gegen Einsamkeit in Österreich :: socialcitywien der Social City Wien oder zahlreiche Angebote der Caritas unter dem
Motto "Wege aus der Einsamkeit".
Zudem gibt es Aktivitäten wie Single-Wandern, Sportaktivitäten für
Alleinstehende bzw. Singles und zahlreiche Vereine gerade im
Vereinsland Österreich. Einfach nutzen.
Foto: Bernd Klaus Achter