Die wiederkehrende Frage nach dem moderaten Trinken

Immer wieder taucht diese Frage und
damit auch das Gerücht auf. Gibt es das "g'sunde Achterl Rotwein"
pro Tag tatsächlich? Jahrelang wurde diese - sagen wir mal - Mär
verbreitet; sogar von niedergelassenen Allgemeinmedizinern wurde
diese Meinung - insbesondere bezogen auf die Herzgesundheit -
propagiert.
Nun ist es die American Heart
Association, die hier wieder eine Diskussion hervorbringt, die
unnötig und und inhaltlich vollkommen unnötig und falsch ist. Berichtet darüber hat die Berliner Morgenpost.
- "In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit, veröffentlicht im Fachjournal "Circulation", kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass ein geringer Alkoholkonsum - definiert als ein bis zwei Getränke pro Tag - kein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod mit sich bringe. Möglicherweise könne er das Risiko sogar senken. Die Analyse richtet sich vor allem an Kardiologinnen und Kardiologen und fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen." Quelle: Berliner Morgenpost
Einige Punkte an dieser Stellungnahme der American Heart Association sind nicht nur grundsätzlich falsch sondern wissenschaftlich fragwürdig und gleichzeitig ungenau (nicht spezifisch genug) verfasst.
Es handelt sich um eine
"wissenschaftliche Übersichtsarbeit". Heißt: Man nehme
wissenschaftliche Arbeiten, unterziehe sie einer ergebnisseitigen
Inhaltsanalyse, jedoch ohne deren studienspezifischen Parameter
miteinzubeziehen (Also: wie kam die einzelne einbezogene Studie
zustande? Wer waren Probanden oder Studienobjekte? Gab es überhaupt
Probanden? Oder waren es gar reine Laborstudien?). So können sich
die Ausführenden ja völlig frei aussuchen, welche Studien sie in
die Übersichtsarbeit einbeziehen. Diese Auswahl kann nun nach dem
Motto "Jux und Tollerei" erfolgen; oder, haben wir es hier im
Hintergrund wie so oft bei Studien die aus den USA kommen mit einer
Lobby zu tun, die am Absatz ihrer alkoholischen Getränke
interessiert ist?
Dann irriert mich die Formulierung
"geringer Alkoholkonsum - definiert als ein bis zwei Getränke pro
Tag". Erste Frage: Ein bis zwei was? Reden wir von Wein, von Bier
oder hochprozentigen Getränken wie Wodka, Whiskey oder Mischgetränke
mit diesen. Die seriöse Wissenschaft weiss, dass zwei Bier 0,5 Liter
bei Männern die gesundheitsgefährdende Grenze sind, bei Frauen sind
es zwei 0,3 Liter Bier. Bei Wein sind es 2 Vierterl Wein bei den
Männern und zwei Achterl Wein bei den Frauen. Bei Spirituosen sind
der gesundheitlich riskanten Grenzwert 2 cl. Soweit, so gut. Neben
diesen Grenzwerten ist auch auch das Wort "täglich" Bedacht zu
nehmen. Täglicher Konsum ist Gewohnheitskonsum, der - zwar
niedrigschwellig, aber doch - zu einer (Abhängigkeits-)Routine
führen kann. Und da stecken wir schon in einer - möglicherweise
kleinen, aber doch - Sucht.
Weiterführende Studien belegen zwar,
dass Rotwein bzw. die enthaltenden Flavonoide Herzerkrankungen
vorbeugen können, nur ist die notwendige zu trinkende Menge zum
Schutz davor so groß, dass wir wieder in der Sucht landen.
Also halten wir uns an die Empfehlungen
von unabhängigen Studien, die eindeutig besagen: Kein Alkohol ist
die beste Lösung. Und: Wenn Alkohol, dann mindestens vier
alkoholfreie Tage pro Woche.
Fazit: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol, vor allem, wenn man das Risiko bedenkt, an Krebs (bei Frauen steigt das Brustkrebs-Risiko um is zu 30 Prozent, bei Männern das Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko um bis zu 40 Prozent) oder typisch alkoholbedingten Leiden (beispielsweise Alkoholbedingte Polyneuropathie, Diabetes usw.) zu erkranken
Weitere Infos zum Thema gibt es hier:
"No level of alcohol consumption is safe for our health" - World Health Organization
"Is moderate drinking actually healthy? Scientists say the idea is outdated." Stanford Report
"Association Between Changes in Alcohol Consumption and Cancer Risk" Jama Network
Foto: Berliner Morgenpost