Die wiederkehrende Frage nach dem moderaten Trinken

26.01.2026

Immer wieder taucht diese Frage und damit auch das Gerücht auf. Gibt es das "g'sunde Achterl Rotwein" pro Tag tatsächlich? Jahrelang wurde diese - sagen wir mal - Mär verbreitet; sogar von niedergelassenen Allgemeinmedizinern wurde diese Meinung - insbesondere bezogen auf die Herzgesundheit - propagiert.
Nun ist es die American Heart Association, die hier wieder eine Diskussion hervorbringt, die unnötig und und inhaltlich vollkommen unnötig und falsch ist. Berichtet darüber hat die Berliner Morgenpost.

  • "In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit, veröffentlicht im Fachjournal "Circulation", kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass ein geringer Alkoholkonsum - definiert als ein bis zwei Getränke pro Tag - kein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod mit sich bringe. Möglicherweise könne er das Risiko sogar senken. Die Analyse richtet sich vor allem an Kardiologinnen und Kardiologen und fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen." Quelle: Berliner Morgenpost

Einige Punkte an dieser Stellungnahme der American Heart Association sind nicht nur grundsätzlich falsch sondern wissenschaftlich fragwürdig und gleichzeitig ungenau (nicht spezifisch genug) verfasst.

Es handelt sich um eine "wissenschaftliche Übersichtsarbeit". Heißt: Man nehme wissenschaftliche Arbeiten, unterziehe sie einer ergebnisseitigen Inhaltsanalyse, jedoch ohne deren studienspezifischen Parameter miteinzubeziehen (Also: wie kam die einzelne einbezogene Studie zustande? Wer waren Probanden oder Studienobjekte? Gab es überhaupt Probanden? Oder waren es gar reine Laborstudien?). So können sich die Ausführenden ja völlig frei aussuchen, welche Studien sie in die Übersichtsarbeit einbeziehen. Diese Auswahl kann nun nach dem Motto "Jux und Tollerei" erfolgen; oder, haben wir es hier im Hintergrund wie so oft bei Studien die aus den USA kommen mit einer Lobby zu tun, die am Absatz ihrer alkoholischen Getränke interessiert ist?
Dann irriert mich die Formulierung "geringer Alkoholkonsum - definiert als ein bis zwei Getränke pro Tag". Erste Frage: Ein bis zwei was? Reden wir von Wein, von Bier oder hochprozentigen Getränken wie Wodka, Whiskey oder Mischgetränke mit diesen. Die seriöse Wissenschaft weiss, dass zwei Bier 0,5 Liter bei Männern die gesundheitsgefährdende Grenze sind, bei Frauen sind es zwei 0,3 Liter Bier. Bei Wein sind es 2 Vierterl Wein bei den Männern und zwei Achterl Wein bei den Frauen. Bei Spirituosen sind der gesundheitlich riskanten Grenzwert 2 cl. Soweit, so gut. Neben diesen Grenzwerten ist auch auch das Wort "täglich" Bedacht zu nehmen. Täglicher Konsum ist Gewohnheitskonsum, der - zwar niedrigschwellig, aber doch - zu einer (Abhängigkeits-)Routine führen kann. Und da stecken wir schon in einer - möglicherweise kleinen, aber doch - Sucht.
Weiterführende Studien belegen zwar, dass Rotwein bzw. die enthaltenden Flavonoide Herzerkrankungen vorbeugen können, nur ist die notwendige zu trinkende Menge zum Schutz davor so groß, dass wir wieder in der Sucht landen.
Also halten wir uns an die Empfehlungen von unabhängigen Studien, die eindeutig besagen: Kein Alkohol ist die beste Lösung. Und: Wenn Alkohol, dann mindestens vier alkoholfreie Tage pro Woche.

Fazit: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol, vor allem, wenn man das Risiko bedenkt, an Krebs (bei Frauen steigt das Brustkrebs-Risiko um is zu 30 Prozent, bei Männern das Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko um bis zu 40 Prozent) oder typisch alkoholbedingten Leiden (beispielsweise Alkoholbedingte Polyneuropathie, Diabetes usw.) zu erkranken

Weitere Infos zum Thema gibt es hier:

"No level of alcohol consumption is safe for our health" - World Health Organization

"Is moderate drinking actually healthy? Scientists say the idea is outdated." Stanford Report

"Association Between Changes in Alcohol Consumption and Cancer Risk" Jama Network

"Limit alcohol consumption. For cancer prevention, it's best not to drink alcohol." World Cancer Research Fund International


Foto: Berliner Morgenpost



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