Die große Unterschätzung

Nahezu täglich lesen wir in den Medien
über die negativen Auswirkungen des Alkohols auf Geist und Körper.
Dies ist auch längst bewiesen; dennoch werden die Folgen von nicht
nur massivem Alkoholkonsum weiter geleugnet; und diese Leugnung wird
meist mit pseudowissenschaftlichen oder längst überholten,
widerlegten, überalterten Studien zu untermauern versucht.
Zudem hat Alkohol gerade in Österreich,
traditionell ein Land der Weinproduzenten, der Weintrinker, der
(selbsternannten) Weinspezialisten, einem Land, das beim
Pro-Kopf-Konsum von Bier mit 106,5 Litern auf Platz 2 in Europa liegt
(Platz 1 belegt die Tschechische Republik mit 152,1 Liter, Platz 3
geht an Litauen mit 103,3 Liter; Deutscland ist abgeschlagen auf
Platz 8 mit 88,8 Liter. Quelle: Karin Beer Report) generell eine hohe
gesellschaftliche Akzeptanz. Es ist das einzige Suchtmittel, bei dem
man gefragt wird, warum man es nicht konsumiert.
Alkohol ist allgegenwärtig: bei
Familienfeiern, Firmenevents, Partys, Ausstellungseröffnungen. Ich
kann mich noch einen Event - dazumal einer der wichtigsten Events der
Werbe- bzw. Kommunikationsbranche - im Hof des Wiener Rathauses
erinnern - nach dem Firmennamen stand "Party". Als Welcome-Drink
gab es ausschließlich Sekt oder Sekt-Orange, auch auf Nachfrage kein
Mineralwasser. Das dürfe man erst ausschenken, wenn der
Generaldirektor die Veranstaltung offiziell eröffnet habe, also so
in einer Stunde. Dazu muss man wissen, dass an diesem Tag Anfang Juni
die Temperaturen bereits über 30 Grad Celsius gestiegen waren, die
wenigsten der "Party"-Teilnehmer unter Tag wenig bis nichts
gegessen hatten, da ja ein üppiges Buffet auf einen wartete. Das
vielzitierte "Damenspitzerl" war vorprogrammiert.
Insgesamt liegt Österreich beim Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols mit rund 12 Litern pro Jahr im europäischen Spitzenfeld wie das Öffentliche Gesundheitsportal Österreichs in Berufung auf die Weltgesundheitsproganisation (WHO) mitteilt. Also 12 Liter reiner Alkohol sind 12 Liter Spiritus oder 12 Liter Weingeist - als solches tatsächlich ja ungenießbar (eignet sich etwa zum "Ansetzen" von Likören) und würde vermutlich die Mundschleimhäute oder die Wände der Speisetröhre verätzen. Da kann es in der Speiseröhre - auch durch Konsum von Bier, Wein oder Spirituosen – zur Bildung von Krampfadern, sogenannten Ösophagusvarizen, kommen. Dies sind erweiterte und geschlängelte Venen in der Speiseröhre, die durch erhöhten Blutdruck in der Leber (pfortaderhochdruck) verursacht werden. Beide Symptome sind auf regelmäßigen oder gar massiven Alkoholkonsum zurückzuführen. Platzen diese Ösophagusvarizen, verblutet man jämmerlich. Nur so zur Info.
Was ist nun regelmäßig? Was ist noch gesund?
"Auch ohne abhängig zu sein, kann
Alkohol der Gesundheit schaden. Es gibt keinen gesunden
Alkoholkonsum.", schreibt das Öffentliche Gesundheitsportal
Österreich,
und ist damit gleicher Meinung wie (Fach-)Ärzte, Suchttherapeuten
oder die sämtliche Gesundheitsorganisationen wie auch die WHO. Die
Geschichte des täglichen "gesunden Achterl Rotweins" zum Wohle
der Herztätigkeit und des Herz-/Kreislaufsystems ist schlichtweg
eine Mär. Selbst wenn dieses tägliche Glas Rotwein für besagte
Organe einen positiven Effekt hätte (Konjunktiv!!), schädigt es - alleine durch die Regelmäßigkeit der Konsumation - zahlreiche andere
Körperfunktionen und schlägt sich zudem auf die psychische
Gesundheit nieder.
Alkohol kann für bis zu 200
körperliche Erkrankungen verantwortlich sein; und das schon in
geringen Mengen. Alleine, wenn man betrachtet, durch welche Stationen
im Körper Alkohol bei der Aufnahme durchläuft, kann man den
drohenden Schaden ermessen: Mund (Mundschleimhaut), Speiseröhre
(Schleimhaut), Magen (Magenwand, Magensäure), Darm (Schleimhäute in
allen Stationen des Darms), Entgiftung in der Leber und den Nieren,
Hormon- und Botenstoffe der Bauchspeicheldrüse, Enddarm, After.
Wobei die Leber hierbei das geringere Problem sein kann, da es das einzige Organ ist, das sich (bei entsprechender Abstinenz oder Maßhaltung) selbst regenerieren kann. Aber, es bedeutet nicht, dass, wenn die Leberwerte in Ordnung sind, man keinen Schaden vom Alkoholkonsum genommen hat. Selbst mit Leberzirrhose kann sich die Leber bei Abstinenz regenerieren. Die Zirrhose an sich ist kein Todesurteil; erst, wenn Warnzeichen und Diagnose nicht beachtete werden, kann es zu Leberkrebs führen. Den man übrigens - wie auch eine Zirrhose - auch bekommen kann, wenn man täglich Fastfood oder zu viele zuckerhaltige Speisen und vor allem Limonaden wie etwa Energy Drinks zu sich nimmt. Das Schlimmste ist die Kombination aus beiden, etwa Cola mit Rum, Orangensaft mit Wodka oder Kräuterbitter mit Energy Drink, was in der Party Szene vor mehr als einem Jahrzehnt "der Renner" war.
Nur drei Zahlen aus der Forschung zur
Veranschaulichung (Quelle: WHO): Bei regelmäßigem Alkoholkonsum
über der empfohlenen Menge steigt das Brustkrebs-Risiko bei Frauen
um rund 30 Prozent, das Darmkrebs-Risiko bei Männern um nahezu 40
Prozent. Das Risiko an Bauchspeicheldrüsen- oder Speiseröhrenkrebs
zu erkranken erhöht sich um bis zu 50 Prozent. Steigern können Sie
das Speiseröhrenkrebs-Risiko noch, wenn Sie eifrig Zigaretten
rauchen - ja, auch Tabakgenuss ist ein Höchstrisiko für
Erkrankungen der Schleimhäute.
Wir haben festgestellt, dass es kein
gesunde Menge an Alkohol gibt; sehr ohl gibt es einen Richtwert
für die maximale (!) empfohlene Menge: "Frauen
sollten nicht mehr als 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken. Diese Menge
ist beispielsweise in einem kleinen
Bier oder einem
kleinen Glas Wein (0,125 Liter) enthalten. Männer
sollten höchstens
24 Gramm Alkohol pro Tag trinken. Diese Menge ist beispielsweise in
zwei kleinen Bier
oder einem großen Glas Wein (0,25Liter) enthalten.", so die
einhellige Meinung sämtlicher wissenschaftlichen Quellen, hier vom
Öffentlichen Gesundheitsportal Österreich.
Und
ganz wichtig: Es sollte nicht jeden Tag Alkohol konsumiert werden.
Meine Recherchen haben hier zwei Regelsätze hervorgebracht. Die 5:2
Regel besagt, an zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken; die
3:4 Regel besagt, an vier Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken.
Täglicher Alkoholgenuss in der empfohlenen Menge oder darüber gilt
bereits als problematisch. Jene Konsumenten, die täglich(!) "nur" die
empfohlene Menge konsumieren, können über einen längeren Zeitraum
ein veritables Problem entwickeln; jene, die täglich über der
empfohlenen Menge trinken, haben schon ein Problem. Statistiken gehen
davon aus, dass es in Österreich rund 950.000 Menschen gibt, die
sich im Rahmen von Alkoholmissbrauch und Alkoholkrankheit und damit
im gesundheitsgefährdenden Bereich bewegen; also mehr als ein
Zehntel der Bevölkerung. Rechnen wir dabei noch Kinder und
Jugendliche heraus, na dann gute Nacht Österreich.
Aber
nicht alleine verschiedene Krebserkrankungen können durch
regelmäßigen Alkoholkonsum Alkoholmissbrauch verursacht werden
kann. Nur einige Beispiele (dies ist ja keine Gesundheitsvorlesung),
auf die ich in anderen Posts noch näher eingehen kann:
Polyneuropathie (Nervenerkrankung), Grauer Star und Grüner Star,
Demenz, Alzheimer, Parkinson, nervlich bedingte
Lähmungserscheinungen, chronische Gleichgewichtsstörungen durch
Signal-Fehlleitungen im Gehirn. Diese Liste ließe sich noch
fortsetzen. Und über psychische Erkrankungen durch erhöhten und/oder regelmäßigen Alkoholkonsum haben wir da noch gar nicht gesprochen.
Ich möchte niemanden belehren oder missionieren. Ich möchte lediglich auf die Gefahren hinweisen, denn der Konsum von Alkohol wird unterschätzt. Ich habe diese Warnungen ignoriert, bin aber noch mit einem "blauen Auge" davon gekommen. Meine diagnostizierte Polyneuropathie gilt durch Abstinenz und regelmäßige tägliche Bewegung - meistens natürlich mit #BeagleEmil - als aus therapiert bzw. geheilt. An beiden Augen wurde ich wegen Grauen Stars operiert, gegen den gleichzeitig diagnostizierten Grünen Star muss ich meine Augen täglich eintropfen. Grüner Star ist nämlich inoperabel. Alle anderen Werte sind im grünen Bereich.
Illustration: Bernd Klaus Achter