„Ein Aschen! Ein Aschen!“*

25.02.2026

Und jetzt ist sie da: die Asche. Oder besser: Der Aschermittwoch, der in einer ländlichen katholischen Stadt so sicher auf den Faschingsdienstag folgt, wie das Amen im Gebet.
Offiziell sind die Feierlichkeiten am Faschingsdienstag ja um 23 Uhr zu Ende. Nach dem Verbrennen des Faschings, also dem Abfackeln des Manderl bis aufs Gerippe, dürfen die Stände, den denen Speis und Trank feilgeboten werden, also noch geöffnet lassen, die feiernde Menschenmenge wird mit Ski-Hütten- und Pseudo-Techno-Disco-Musik bei Laune gehalten, ebenso wie der Alkoholspiegel oben gehalten wird. Wie lange es dann ohne Musik noch inoffiziell weiter geht, weiß niemand (mehr) so genau. Es kann dann schon mal vier Uhr Früh werden, wie mir aus bestens informierten Kreisen zugetragen wurde.
Sollte aber gar nicht sein. Denn schließlich beginnt um null Uhr der Aschermittwoch, der ist katholisch und manchmal verstehen die Katholischen gar keinen Spaß. Und der Aschermittwoch hat ja auch etwas von "Buße tun" zu tun, hat mit "Erlösung" zu tun. Die aber kommt erst am Karsamstag, nachdem Jesus von den Toten auferstanden ist und die Glocken aus Rom zurückgeflogen kamen. Bis dahin ist Fastenzeit angesagt.
Fastenzeit heißt, allen irdischen Genüssen entweder zu entsagen oder diese auf ein Minimum einzuschränken. Dies betrifft all jenes, was Spaß (sic!) macht oder Genuss bereitet: Fleisch, Schokolade (was haben mein Bruder und ich geweint, als wir am Karfreitag von der Oma keine Schoko bekommen haben), Alkohol, Sex. Deshalb gibt es in (erz-)katholischen Familien in der Fastenzeit etwa Donnerstags immer Spinat (selten mit Spiegelei, dafür mit Kartoffeln), Freitags gibt es Fisch oder "einbrenntes" Gemüse mit Kartoffelsterz. Und, ins Wirtshaus gehen sollte man in der Fastenzeit eher selten, schon gar nicht an Freitagen, und schon gar nicht an den beiden strengsten Fastentagen: dem Aschermittwoch und dem Karfreitag.
Und da reden alle über das Gastronomiesterben. Offerieren ja gerade am Aschermittwoch zahlreiche Gasthäuser ihre Heringsschmaus-Diners (variantenreich; "all you can eat") mit Weinbegleitung. Diese sind in der Gesellschaft sehr beliebt, aber nicht gerne gesehen. Oder, "man" wird nicht gerne bei einer dieser kulinarischen Events gesehen. Abhilfe schaffen hier die Angebote aus den Supermärkten, die Heringsschmaus in den drei Varianten Senf, Rote Beete oder Zwiebel in Ein-Portion-Gebinde zu 300 Gramm günstig feilbieten. Und den Wein holt man sich aus Opas oder Papas Weinkeller. Und schon bekommt außerhalb des Familienkreises niemand mit, dass man völlert - also sündigt.
Gepeinigt sind am Aschermittwoch jedenfalls die Angestellten des Wirtschaftshofs unserer Stadt, da sie die Hinterlassenschaften - und man glaubt kaum, was da alles zu finden ist - der Faschingsdienstags-Besucher wegräumen müssen, so, als wäre am Tag zuvor nichts passiert. Gott gegeben halt. Weil: wir leben ja in einer katholisch geprägten Gemeinde. .

"Dem lieben Gott sein Burnout"

Und die Fastenzeit iser der Beginn der Zeit der "lustigen" Plakate.Eines davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben und veranlasste mich zu einem kurzen Kommentar zum Thema "Dem lieben Gott sein Burnout" aus dem Jahr 2023 (stark gekürzte Fassung).
"Gott geht nicht auf Urlaub, aber er kann Dich auf Deinem begleiten", stand auf einem Kleinplakat in einem Schaukasten der Pfarrgemeinde unserer Stadt zu lesen.
Na servas, das Burnout von dem alten Herrn möchte ich nicht haben. Sich vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche um die Missstände der Welt kümmern zu müssen, muss einen ja ins Burn out hinführen. Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Unwägbarkeiten allerorts, Kriegsschauplätze, Hungersnöte, Klimakrise - fad wir da dem Herrn Gott nicht.
Und noch dazu begleitet er ja die Urlauber und macht einen auf safety guide. Egal, ob der Wanderer in den Bergen, die Badegäste an den Seen und Meeresstränden, die Sextouristen und die Ladyboys in Südostasien.
Da hat der liebe Opi mit dem langen Bart viel zu tun. Aber er kann sich ja angesichts seines Burnout nicht mal einen ordentlichen reinziehen, denn da oben herrscht Alkoholverbot. Frag ich mich nur, warum sich dann die irdischen Vertreter, also die Priester, schon währender Sonntag Früh- und Morgenmesse ein Damenspitzerl anzüchten dürfen, wenn es schon der alte Mann mit dem Bart nicht darf. Bei weiterführenden Ausführungen, könnte man mich ja der Blasphemie bezichtigen.
Aber vielleicht ist die Welt so durcheinander, weil es dem alten Herrn mit weißem Bart da obenschon völlig wurscht ist, was da unten auf der Erde passiert und er sonnt sich mit dem Abraham am Wurschtkessel sitzend, trinkt göttlichem Wodka und inhaliert ein paar Tüterl. Und lacht dabei über die Menschheit, wie deppert wir sind, uns das Leben so schwer zu machen und unsere Gesellschaften ruinieren.
Amen.

Zur Bedeutung des Aschermittwoch in den christlichen Kirchen lesen am besten auf Wikipedia nach. Ich muß das nicht auch noch vorbeten. 

* Aus: "Das Aschenlied" - das sogenannte Besserungslied der Hauptfigur Fortunatus Wurzel in "Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär" - Ferdinand Raimund 1826. Text: Ferdinand Raimund; Musik: Joseph Drechsler.

Foto: Bernd Klaus Achter - Assisi Kreuz mit Rosenkranz


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