„Ein Aschen! Ein Aschen!“*

Und jetzt ist sie da: die Asche. Oder
besser: Der Aschermittwoch, der in einer ländlichen katholischen
Stadt so sicher auf den Faschingsdienstag folgt, wie das Amen im
Gebet.
Offiziell sind die Feierlichkeiten am
Faschingsdienstag ja um 23 Uhr zu Ende. Nach dem Verbrennen des
Faschings, also dem Abfackeln des Manderl bis aufs Gerippe, dürfen
die Stände, den denen Speis und Trank feilgeboten werden, also noch
geöffnet lassen, die feiernde Menschenmenge wird mit Ski-Hütten-
und Pseudo-Techno-Disco-Musik bei Laune gehalten, ebenso wie der
Alkoholspiegel oben gehalten wird. Wie lange es dann ohne Musik noch
inoffiziell weiter geht, weiß niemand (mehr) so genau. Es kann dann
schon mal vier Uhr Früh werden, wie mir aus bestens informierten
Kreisen zugetragen wurde.
Sollte aber gar nicht sein. Denn
schließlich beginnt um null Uhr der Aschermittwoch, der ist
katholisch und manchmal verstehen die Katholischen gar keinen Spaß.
Und der Aschermittwoch hat ja auch etwas von "Buße tun" zu tun,
hat mit "Erlösung" zu tun. Die aber kommt erst am Karsamstag,
nachdem Jesus von den Toten auferstanden ist und die Glocken aus Rom zurückgeflogen kamen. Bis dahin ist
Fastenzeit angesagt.
Fastenzeit heißt, allen irdischen
Genüssen entweder zu entsagen oder diese auf ein Minimum
einzuschränken. Dies betrifft all jenes, was Spaß (sic!) macht oder Genuss bereitet: Fleisch, Schokolade (was haben mein Bruder und ich geweint, als wir am Karfreitag von der Oma keine Schoko bekommen haben), Alkohol, Sex. Deshalb gibt es
in (erz-)katholischen Familien in der Fastenzeit etwa Donnerstags
immer Spinat (selten mit Spiegelei, dafür mit Kartoffeln), Freitags
gibt es Fisch oder "einbrenntes" Gemüse mit Kartoffelsterz. Und, ins Wirtshaus gehen sollte man in der Fastenzeit eher selten, schon
gar nicht an Freitagen, und schon gar nicht an den beiden strengsten
Fastentagen: dem Aschermittwoch und dem Karfreitag.
Und da reden alle über das
Gastronomiesterben. Offerieren ja gerade am Aschermittwoch zahlreiche
Gasthäuser ihre Heringsschmaus-Diners (variantenreich; "all you
can eat") mit Weinbegleitung. Diese sind in der Gesellschaft sehr
beliebt, aber nicht gerne gesehen. Oder, "man" wird nicht gerne
bei einer dieser kulinarischen Events gesehen. Abhilfe schaffen hier die
Angebote aus den Supermärkten, die Heringsschmaus in den drei
Varianten Senf, Rote Beete oder Zwiebel in Ein-Portion-Gebinde zu 300
Gramm günstig feilbieten. Und den Wein holt man sich aus Opas oder
Papas Weinkeller. Und schon bekommt außerhalb des Familienkreises
niemand mit, dass man völlert - also sündigt.
Gepeinigt sind am Aschermittwoch
jedenfalls die Angestellten des Wirtschaftshofs unserer Stadt, da sie
die Hinterlassenschaften - und man glaubt kaum, was da alles zu
finden ist - der Faschingsdienstags-Besucher wegräumen müssen, so,
als wäre am Tag zuvor nichts passiert. Gott gegeben halt. Weil: wir
leben ja in einer katholisch geprägten Gemeinde. .
"Dem lieben Gott sein Burnout"
Und die Fastenzeit iser der Beginn der
Zeit der "lustigen" Plakate.Eines davon ist mir besonders in
Erinnerung geblieben und veranlasste mich zu einem kurzen Kommentar
zum Thema "Dem lieben Gott sein Burnout" aus dem Jahr 2023 (stark
gekürzte Fassung).
"Gott geht nicht auf Urlaub, aber er
kann Dich auf Deinem begleiten", stand auf einem Kleinplakat in
einem Schaukasten der Pfarrgemeinde unserer Stadt zu lesen.
Na servas, das Burnout von dem alten
Herrn möchte ich nicht haben. Sich vierundzwanzig Stunden, sieben
Tage die Woche um die Missstände der Welt kümmern zu müssen, muss
einen ja ins Burn out hinführen. Wirtschaftliche, politische und
gesellschaftliche Unwägbarkeiten allerorts, Kriegsschauplätze,
Hungersnöte, Klimakrise - fad wir da dem Herrn Gott nicht.
Und noch dazu begleitet er ja die
Urlauber und macht einen auf safety guide. Egal, ob der Wanderer in
den Bergen, die Badegäste an den Seen und Meeresstränden, die
Sextouristen und die Ladyboys in Südostasien.
Da hat der liebe Opi mit dem langen
Bart viel zu tun. Aber er kann sich ja angesichts seines Burnout
nicht mal einen ordentlichen reinziehen, denn da oben herrscht
Alkoholverbot. Frag ich mich nur, warum sich dann die irdischen
Vertreter, also die Priester, schon währender Sonntag Früh- und
Morgenmesse ein Damenspitzerl anzüchten dürfen, wenn es schon der
alte Mann mit dem Bart nicht darf. Bei weiterführenden Ausführungen,
könnte man mich ja der Blasphemie bezichtigen.
Aber vielleicht ist die Welt so
durcheinander, weil es dem alten Herrn mit weißem Bart da obenschon
völlig wurscht ist, was da unten auf der Erde passiert und er sonnt
sich mit dem Abraham am Wurschtkessel sitzend, trinkt göttlichem
Wodka und inhaliert ein paar Tüterl. Und lacht dabei über die
Menschheit, wie deppert wir sind, uns das Leben so schwer zu machen
und unsere Gesellschaften ruinieren.
Amen.
Zur Bedeutung des Aschermittwoch in den christlichen Kirchen lesen am besten auf Wikipedia nach. Ich muß das nicht auch noch vorbeten.
* Aus: "Das Aschenlied"
- das sogenannte Besserungslied der Hauptfigur Fortunatus Wurzel in
"Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär" -
Ferdinand Raimund 1826. Text: Ferdinand Raimund; Musik: Joseph
Drechsler.
Foto: Bernd Klaus Achter - Assisi Kreuz mit Rosenkranz