Alkopops: So „fixen“ wir unsere Jugendlichen an

Daß ich kein Freund von Alkopops bin, habe ich in anderen Posts bereits dargelegt. Für all jene, die noch keine Gelegenheit hatten, diese zu lesen, hier noch einmal kurz zusammengefasst die Gründe.
Faktor 1: Der Alkohol. Alkopops beinhalten meist 4cl (Centiliter) gebrannten Alkohol - meist Wodka oder Rum. Der Umstand, dass diesen Mischgetränken reichlich Zucker zugesetzt ist, führt - neben der Kohlensäure - dazu, dass der Alkohol schneller ins Blut transportiert wird. Der süße Geschmack und die Aromen sorgen dafür, dass der - oftmals bittere - Alkoholgeschmack überdeckt und damit kaum noch wahrgenommen wird. Wir sprechen hier von einer sogenannten "maskierten Wirkung".
Faktor 2: Die Ernährungsphysiologie. Ernährungsphysiologisch sind Alkopops reiner Lebensmittelindustrieschrott. Neben dem ohnehin schon ungesunden Alkohol sind in den Alkopops viel Zucker, wenig Wasser, manchmal (!!) echte Limonade, viele Aromen und Farbstoffe enthalten. Letztere sollen den Eindruck erwecken, es handle sich um ein Fruchtsaft- bzw. Limonadengetränk. Schlichtweg, der Magen wird einem danken.
Faktor 3: Die Gesundheit. Alkohol an sich ist in jeder nur erdenklich genossenen Menge ungesund. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat schon vor vielen Jahren festgestellt und kommuniziert: DIE gesunde Menge Alkohol gibt es nicht. Und das wird jeder Suchtmediziner und jede Studie bestätigen. Alkohol kann für mehr als 200 Krankheiten verantwortlich sein. Dazu kommt die große Menge an Zucker. Wir wissen auch, dass zu viel Zucker schädlich für den menschlichen Organismus ist. Empfohlene Grenzwerte werden in unserem Falle wohl nicht eingehalten. Neben diesen Kernbestandteilen sind in den Alkopops Konservierungsstoffe, von den laut WHO manche als Krebserregend gelten, enthalten. Vielfach findet man auf der Zutatenliste Koffein und Taurin. Die Kombination von Alkohol und Koffein etwa kann zu Wechselwirkungen führen, die sich etwa in Herzrhythmusstörungen äußern können. Desgleichen gilt auch die Wechselwirkung mit Taurin, das vielfach in Energydrinks enthalten ist. Aber, wer will schon als Jugendlicher oder junger Erwachsener herzkrank sein. Sowhl Alkohol als auch Energydrinks können bekanntlich süchtig machen. Damit kann eindeutig fest gehalten werden, dass Alkopops aufgrund des leichten, süffigen Konsums und der attraktiven Aufmachung der Flaschenetiketten als Einstiegsdroge für Jugendliche in den Alkoholkonsum gelten können.
Und so fixen wir unsere Kinder und Jugendlichen – ob gewollt oder ungewollt – frühzeitig an.
Und an den Werbemaßnahmen der
Alkopops-Erzeuger und Vertreiber, an der Aufmachung der Flaschen und
an der Positionierung im Supermarkt ist eindeutig fest zu machen, wer
die vorrangige Zielgruppe der Alkopops ist: Die Jugendlichen
(Ausnahme: Aperol-Spritz - vorgefertigt in 0,25 Liter Flascherln -
richtet sich an eine weibliche Zielgruppe), obwohl diese - also bis
zum vollendeten 18. Lebensjahr - diese gar weder käuflich erwerben
noch konsumieren dürften.
Dies aber ist den Supermarktbetreibern
sichtlich egal. Hier wird der Jugendschutz aufgrund der Liebe zum
Geschäft, also zum "schnöden Mammon" - herrlich vernachlässigt
oder ignoriert. Meist werden Alkopops in der Menge von 0,25 Liter
beim Getränkeregal, in dem auch die 0,33 Liter Erfrischungsgetränke
- meist in Kassennähe, also als rascher Mitnahme-Artikel - sind,
positioniert. Nach dem Motto "Limo
zu Limo".
Um
die rechtliche Lage in Österreich eindeutig zu definieren: Unter
dem vollendeten 16. Lebensjahr sind Erwerb,
Besitz und Konsum von Alkohol ist gänzlich verboten. Ab dem
vollendeten 16.
Lebensjahr ist Der
Konsum von alkoholischen Getränken, die keinen gebrannten
Alkohol enthalten, wie etwa Bier oder Wein erlaubt. Getränke mit
gebranntem Alkohol wie etwa Wodka, Whiskey, Rum, Gin und eben auch
Alkopops sowie andere ähnlich gelagerte Mischgetränke sind
gesetzlich erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlaubt.
Wer hier gegen das Gesetz verstößt -
sei es Konsument, Barbetreiber oder Supermarkt - macht sich strafbar.
Supermärkte und Lokal-Betreiber sind verpflichtet, das Alter per
Ausweis zu überprüfen. Von einem befreundeten Gastronom weiss ich,
dass bei Zuwiderhandeln die Strafen bis zu 2.500 Euro betragen
können.
Aus eigener Beobachtung kann ich aber
sagen, dass im Supermarkt bei mir um die Ecke (ein großer
Supermarkt) zwischen 7 Uhr 15 bis 7 Uhr 30 morgens an
Gymnasialschüler:innen reichlichst Alkopops verkauft werden. Im
Übrigen ohne Ausweiskontrolle. So: Und jetzt kauft sich jemand zwei
Alkopops und konsumiert diese vor Unterrichtsbeginn (im beobachteten
Falle im Park), hat die betreffende Person bereits zwei doppelte
Wodka oder Rum im Blut. Die Motivation sinkt, Alkohol senkt die
Gehirnaktivität, die Konzentration sinkt, Müdigkeit setzt ein.
Und da machen wir uns Jahr für Jahr Sorgen um die Pisa-Studie?!
Ich fordere daher die Verbannung der Alkopops aus dem Kassenbereich (übrigens müssen auch die 4cl Schnapsflascherl neben dem Kassenlaufband verschwinden) und Positionierung an einer niedrig frequentierten Stelle im Supermarkt (meinetwegen irgendwo zwischen Toilettenpapier und Hundefutter) sowie eine konsequente, verantwortungsbewusste Ausweis-Kontrolle bei potentiellen Käufern.
Foto: Symbolfoto/FreeStock