Alkoholiker züchten?!

27.03.2025

Ich habe ja vollstes Verständnis dafür, daß Unternhmen Geld verdienen, die Ergebnisse von Jahr zu Jahr steigern wollen und mit entsprechenden Marketingmaßnahmen möglichst nah am Kunden dran sein müssen. Das gilt natürlich auch für die Hersteller von alkoholischen Getränken. Aber ein bischen Mitdenken wäre hier angebracht, zumal wir in Österreich ein Hoch-Alkoholland sind. Wir sprechen dabei von rund 450.000 alkoholkranken Personen und rund 500.000 massic akloholmissbrauchs gefährdeten Personen. Dies bedeutet, daß - abzüglich von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren - je nach Schätzung und Erhebung rund 15 der Österreich ein Alkoholproblem haben bzw. im gesundheitsgefährdenden Ausmaß trinken wie die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) via ORF mitteilt. Zehn Prozent der Österreicher erkranken im Laufe Ihres Lebens an einer Alkoholsucht wie den Unterlagen des renommierten Anton-Proksch-Instituts zu entnehmen ist. 8.000 Todesfälle jährlich sind direkt dem Alkoholkonsum zuzuordnen (Quelle: Drogenbericht).

Und da gibt es diese Brauerei im 16. Wiener Gemeindebezrik – ja, die mit dem 16er Blech - die mit Marketingaktivitäten Maßnahmen setzt, um den Alkoholkonsum - in diesem Falle den Bierkonsum - weiter anzukurbeln. Veranstaltungen wie "Tankbiertage 2025" oder "Seidl-Wandertage" werden Bierliebhaber und solche, die es noch werden sollen, zum (verstärkten) Genuss von Bier animiert. Die Details dazu können Sie gerne auf der Website der Ottakringer Brauerei nachlesen. Absurd ist dies allemal. Bedenken wir bitte, daß Österreich im Pro-Kopf-Alkoholkonsum innerhalb der EU im obersten Drittel (Platz 6) liegt.

So jedenfalls züchten wir uns weiter alkoholkranke Personen an oder zumindest werden viele – durchaus auch jüngere – Menschen auf scheint's spielerische oder erlebnisbezogene Weise auf Alkohol konditioniert. Sozial akzeptiert. Ohne Aufschrei aus den Medienbehörden, des Werberats, der Politik und der Suchexperten. Schade.

Supermärke machen das Spiel mit

Natürlich sind es nicht nur die Getränkehersteller, die die Ware entsprechend vermarkten wollen. Auch Supermärkte tun dies. Gemäß dem Motto "Nur ein leeres Regal ist ein gutes Regal". So überschlagen und übertrumpfen sich die Aktionen - meist in einer Größenordnung von minus 25 Prozent - wöchentlich.
Der Supermarkt mit dem "Börserl" offeriert beispielsweise in der Woche 1 minus 25 Prozent auf alle Biere, so tut dies der Supermarkt mit dem gelben Sackerl vor der Filiale eine Woche später. Das Spiel geht in Woche 3 und 4 weiter mit minus 25 Prozent auf alle Weine und Schaumweine (Sekt, Champagner). Und einmal im Quartal gibt es für die Hardcore-Trinker unter uns minus 25 Prozent auf alle Spirituosen.

Und wenn man da nicht von der Heranzucht von Trinkern sprechen kann, weiss ich auch nicht weiter. Klar, jede/r von uns ist in der Eigenverantwortung, verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen, niemand zwingt uns, sich die Flasche oder Dose zum Mund zu führen. Das hat auch beim Rauchen niemand getan. Dennoch wurde Tabakwerbung verboten. Als trockener Alkoholiker fordere ich deshalb ein Werbeverbot für alkoholische Getränke - insbesondere Spirituosen. Generell und ohne jedwede Diskussion. So schauts aus.

Fotos: Ottakringer, Bernd Klaus Achter (aus einem Prospekt der Firma Interspar)

Hashtags: #Alkohol #Bier #Alkoholismus #Alkoholsucht

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